
Bonnie reißt sich das Fell aus
Bonnie ist eine kleine, zweijährige Katze; sie wurde mir von Ihrem Tierarzt geschickt, weil sie sich am Bauch und an den Hintergliedmassen das Fell ausreißt: die Haut ist unbehaart, aber sie hat keine Verletzungen. Bonnie wurde gegen Parasiten behandelt, aber das Problem blieb unverändert bestehen. Der Tierarzt vermutet eine Verhaltensstörung, da alles anfing, als der Freund der Besitzerin in den Urlaub fuhr; diese denkt, daß Bonnie ihn vermisst hat.
Bonnie ist sehr nervös und sehr ängstlich; in der Praxis
versteckt sie sich in ihrer Katzenbox. Als ich
sie heraushole, erkundet sie tief gebückt mit
dem Bauch am Boden
ein paar Meter der Praxis und geht dann in ihre Box zurück. Es ist unmöglich für die Besitzerin, ihr Medikamente einzugeben.
Zuhause kuschelt sie gerne, ist aber auch schnell verängstigt; das geringste
Geräusch, die geringste Veränderung, und sie verschwindet für ein paar Minuten.
Wenn sie gestresst ist, wirft die Haut ihres Rückens Wellen. Ihr Verhalten zeigt, was man als
"generalisierte Angststörung" bezeichnet.
Eine einzige Dosis auf zweimal verteilt
zuhause; die Besitzerin sollte mich einen Monat später zurückrufen, um mich zu informieren. Sie hat mich jedoch nicht angerufen. 6 Monate später, als ich
ein Seminar über Angstzustände vorbereitete und
auf der Suche nach Fällen war, bin ich wieder auf die Unterlagen von 'Bonnie'
gestoßen. Ich habe also die Besitzerin angerufen und gefragt,
wie es dem Kätzchen ginge: nach der Verabreichung des Medikamentes hatten die Haare schnell wieder angefangen, nachzugewachsen;
nach einem Monat sah man fast keine rosa Haut mehr und jetzt war alles normal.
In der Tat hatte sie vergessen, mich anzurufen, weil alles in Ordnung war!